Antrag beim Verbandstag zu einer Quote für Junge.
Antrag beim Verbandstag zu einer Quote für Junge.

Rund 300 Journalistinnen und Journalisten sitzen momentan in Hannover zusammen, um beim Verbandstag des Deutschen Journalistenverbandes Anträge zu bearbeiten, einen Vorstand zu wählen und die Weichen für die Zukunft des Journalismus zu stellen. Mit knapp über 30 bin ich (wieder einmal) einer der jüngsten Teilnehmer, aus Bayern (59 der 300 Delegierten) gar der jüngste. Da stellt sich die Frage: Wo sind die ganzen „Jungen“?

So schade es auf den ersten Blick ist: Eigentlich ist ein Journalistenverband zunächst einmal nichts anderes als jeder Verein in einem kleinen Ort, der Kaninchen züchtet, Wanderungen organisiert, Damengymnastik anbietet oder dessen Mitglieder sich zusammenfinden, um über Bücher zu diskutieren. Solche Vereine (und noch viele mehr) eint etwas mit ihm, das sich nicht mehr wegdiskutieren lässt, von Jahr zu Jahr deutlicher sichtbar: Es mangelt an Nachwuchs. Die jungen Mitglieder sind zwar im Verein, sie profitieren gerne von Leistungen (im Journalistenverband zum Beispiel eine Rechtsberatung, Seminare, … – im Tennisclub das Tennisspielen – im Sportverein das Fußball- oder Basketballspielen), kommen aber nicht zu Mitgliederversammlungen, entscheiden nicht über die Zukunft mit. Vereinsmeierei ist ihnen zu wider.

Der DJV-Verbandstag 2013 hat eine klare Struktur, die sich, redet man mit langjährigen Teilnehmern, etabliert hat: Begrüßung, Jahresberichte, eine Podiumsdiskussion (bei der das Plenum nicht mitmachen darf, das sagt schon der Name), Wahlen, Behandlung von Anträgen, … Spannend ist das meistens nicht. Fast drei Tage lang geht das so.

Wie wäre es mit einer neuen Struktur? Einem Beginn mit Vorträgen, Seminaren, Workshops (0,5 Tage bis 1 Tag), dann Berichte und Wahlen (0,5 Tage), danach Beschluss über Anträge und so weiter. Deren Anzahl müsste zudem dringend reduziert werden. Vieles wurde schon hundertfach besprochen, manches erzielt ohnehin nie eine Wirkung, ist unrealistisch. Zur neuen Struktur gehört auch: Endlich verstärkt auf moderne Medien (Stromanschluss am Arbeitsplatz!!!) und auch auf elektronische Abstimmungsgeräte setzen. Letztere lassen sich heute mieten, das langwierige Auszählen von Stimmen entfällt, es bleibt mehr Zeit für Wichtiges. Wie wäre es, wenn die Verantwortlichen einfach mal ein paar junge Journalisten befragen, was sie wirklich wollen? Und da würde mit Sicherheit kein solcher Verbandstag herauskommen, wie er eben wieder stattfindet. Nicht alles ist schlecht, aber man könnte viel besser machen.

Gescheitert ist übrigens ein Antrag des Fachausschusses Junge, das aus jedem Landesverband künftig mindestens ein Fünftel der Delegierten unter 40 Jahre alt sein soll. Er wäre eine weitere Quote (nach der Frauenquote von 30 Prozent) im Verband gewesen. Da ich Quoten nicht befürworte, habe ich ebenfalls gegen ihn gestimmt, auch wenn ich die Idee an sich sympathisch finde. Die Ablehnung schließt aber nicht aus, die jungen Journalisten, die es in den Verbänden ja gibt, endlich mehr einzubeziehen, auf Landesverbandsebene eine solche Zielvorgabe im Auge zu behalten und (siehe oben) gezielt junge Journalisten anzusprechen.