In vielen Bereichen ist der Journalismus schlicht “im Eimer”. Besonders in dem Arbeitsbereich, in dem ich angefangen habe, lässt sich immer schwieriger Geld verdienen. Die Rede ist vom Technikjournalismus. Längst haben enthusiastische Blogger die Macht übernommen, bekommen Testgeräte noch vor den offiziellen Pressevertretern und verlangen für ihre Arbeit kein Geld. Meist veröffentlichen sie Tests auf selbst gehosteten Blogs, als Video bei Youtube oder neuerdings bei tumblr. Und auch in den letzten Bastionen wie etwa den Lokalzeitungen wird es zunehmend hart, Artikel zu publizieren.

Diese Erfahrung durfte ich gerade wieder einmal machen. Der Hintergrund: Ich war auf einem Volksfest in meiner Heimatstadt zu Gast und habe da so einiges erlebt. Sicher kennen Sie das: Man erinnert sich an Dinge aus seiner Kindheit, verklärt diese und wundert sich dann, warum heute alles anders ist. So ging es mir beim Besuch des Volksfestes. Und dann kam auch noch ein geldgeiler Kellner daher und verweigerte mir mein Bier.

Also, mein Plan: Schreibe doch mal die beiden Zeitungen an, die in deiner Heimatstadt Redaktionen unterhalten. Das sind die Main Post und die Main Echo. Gesagt, getan. Von der Main Echo kam nie eine Reaktion, bei der Main Post sorgte ein Anruf für Sicherheit – der Redakteur meinte aber: Unser Themenplan ist so voll, da haben wir wahrscheinlich keinen Platz für einen Gastbeitrag. Da ich meinen Artikel aber schon verfasst hatte, schickte ich ihn dennoch ein – und prompt kam der Rückruf: Ja, als Leserbrief würden wir das gerne veröffentlichen.

Ich bin aber kein Leser, sondern Journalist, ein Kollege meines Gesprächspartners am Telefon. Aber ich wollte meinen Text unbedingt verbreitet wissen, also willigte ich ein. Der Gutmensch hat gesiegt, das Bankkonto muss einmal mehr auf eine Einzahlung warten. So ist das eben als Journalist. Schlimm nur, dass mir die Honorierung nicht von einem Verlagsgeschäftsführer, sondern von einem Kollegen verweigert wurde…

P.S.: Wer den “Leserbrief” nachlesen möchte: Die Main Post hat ihn freundlicherweise auch online gestellt… Mittlerweile ist er aber hinter einer Paywall verschwunden. Daher der Wortlaut komplett im Folgenden…

Eine Maß bring ich euch nicht!

Ich liebe Laurenzi. Als gebürtiger Marktheidenfelder bin ich mit der „Mess“ aufgewachsen und ihr treu geblieben, auch wenn es mich schon Ende der 1990er Jahre zum Studium und zu meiner heutigen Profession als Journalist in die Bamberger Gegend verschlagen hat. Fast jedes Jahr war ich in Marktheidenfeld zu Gast, besuchte meine Verwandten im Spessart und schaute immer, dass mein Sommerbesuch in die Laurenzi-Zeit fiel. Aufgrund meiner beruflichen Verpflichtungen habe ich es in den letzten Jahren allerdings nicht mehr geschafft, im Sommer nach Marktheidenfeld zu kommen, daher war die Freude groß, 2013 wieder dabei sein zu können.

Zum ersten Mal erlebte ich am Mittwoch also die Laurenzi-Messe nicht mehr in der Stadt, sondern am Main. Und ich muss sagen: Die Aufteilung gefiel mir sehr gut. Zwar etwas eng, aber dennoch einladend waren die Marktstände am Mainkai angeordnet, der Vergnügungspark umfangreich, die Atmosphäre zünftig wie immer.

Doch die Enttäuschung folgte auf dem Fuß. Zunächst waren am „Abend des Festwirts“ im Zelt sehr viele Plätze reserviert – und obwohl die Reservierungen bereits abgelaufen waren, war oftmals niemand zu sehen. Gut, nach einer viertelstündigen Suche wurden wir (zu dritt) doch noch fündig. Die Freude hielt aber nicht lange an. Wir studierten die Karte und beschlossen, uns erst einmal eine Maß Festbier zu bestellen – denn frisch schmeckt das Bier bekanntlich am besten. Gerade suchten wir uns das Essen aus, als der Kellner auftauchte und frech meinte: „Eine Maß bring ich euch nicht. Da könnt ihr gleich wieder gehen. Heut wird Umsatz gemacht.“ Die Menschen um uns herum reckten die Köpfe, der Kellner schimpfte weiter vor sich hin, wiederholte seine Rede und zog ab. Wir waren uns sicher: Bier bekommen wir hier keines, eigentlich wollten wir aber auch gar nicht mehr.

Umsatz. Natürlich, da gebe ich mich keiner Illusion hin, auch bei Laurenzi geht es heute nur noch um den Kommerz. Wohl kaum einer wird noch fragen: Was steht eigentlich dahinter? Mir ist auch bewusst, dass die Bedienungen Umsatz machen müssen, um ihr Geld zu verdienen. Der Vorfall hat mich dennoch sehr enttäuscht, denn mit Laurenzi verbinde ich Erinnerungen, besonders aus der Kindheit: Lustige Fahrten im Autoscooter, tolle Nachmittage mit meinen Großeltern im Festzelt, super Bands und eine typische Volksfest-Atmosphäre. Wir verließen also den Platz, suchten nochmals fast eine halbe Stunde, wurden schließlich am anderen Ende des Zeltes fündig und hatten dann doch noch einen netten Kellner. Was bleibt, ist die Verärgerung, denn noch nicht einmal auf dem Oktoberfest wurde ich so abserviert…